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Elbe: Flusskilometer 343 bis 333

16.05.2023

Vor dem Bau der größten Trogbrücke der Welt führte die alte Frachtroute am Wasserstraßenkreuz Magdeburg entlang der Elbe. Diese Route ist zwischen den Elbe-Flusskilometern 343 und 333 noch intakt. Die alten Schleusenkonstruktionen vom Elbe-Havel-Kanal (EHK) zur Elbe (Schleuse Niegripp) und das 1938 fertiggestellte Schiffshebewerk von der Elbe zum Mittellandkanal bei Rothensee sind noch funktionsfähig.

Zwei Anrufe am Morgen bei der Schleuse Hohenwarthe sorgen für Klarheit über die Schleusenmöglichkeiten und den Wasserstand der Elbe. Wir melden uns noch rechtzeitig aus Parey, damit wir auf dem Weg zum Wasserstraßenkreuz eine Wahl für unsere Route treffen können. Mal sehen, ob es zu den Fahrplänen für den Rest der Woche passt... - Ja, das sollte klappen!

Der Herr am Telefon hat heute offenbar nicht viel auf seiner Liste. Er hat alle wichtigen Informationen für uns parat und die Zeit für ein freundliches Gespräch. Darüber hinaus bedient er beide Schleusen; Hohenwarthe und Niegripp. Welchen Weg wir auch wählen, wir müssen uns bei ihm melden.

10 km den Fluss hinauf: Mit unserem Tiefgang dürfen wir auf die Elbe, vorausgesetzt, wir folgen der Fahrrinne. Denn der Wasserstand auf der Elbe sinkt momentan. Normalerweise gibt es um diese Jahreszeit circa 1,50 m mehr Wasser.

Wir werden in Niegripp 10 cm nach unten geschleust. Das war einfach. Die größere Herausforderung aber besteht darin, auf der Elbe stromaufwärts einzufahren. Es gibt einen großen Ausflugsdampfer, der in unseren Verbindungskanal einfahren will. Ich bin dankbar für diesen Moment, weil ich sehen kann, wie er auf die Strömung reagiert.

Einfahren gelingt - ihm und uns!

Wir fahren in einer Außenbucht des Flusses ein. Den Bug bekomme ich mit ausreichend Gas durch die Strömung der Außenbucht, das Heck wird vom Wasser in die richtige Richtung gedrückt.

Die Elbe hat einen völlig anderen Charakter als die Oder. Sie ist insgesamt schmaler, vielleicht um die Hälfte. Die Fahrrinnen sind dafür breiter. Deshalb fließt die Elbe schneller. Der Fluss ist kultiviert und wir haben es mit Buhnen zu tun.

Wir erreichen eine Geschwindigkeit von gerade einmal 2,8 Knoten. Ich denke, ich muss die aktuelle Geschwindigkeit der Oder auf 2,5 - 3 Knoten korrigieren. Denn hier auf der Elbe fahre ich noch langsamer. Den Gegenstrom schätze ich hier auf 3,5 - 4 Knoten. Da die Fahrrinne breiter ist, können wir die innere Seite des Mäanders einfacher wählen. Auf der Oder war das weniger gut möglich. Dafür war die Rinne zu schmal.

Wie auch immer, es ist nur eine Strecke von 10 km und die Erfahrung wert! Wir haben gute Sicht und strahlenden Sonnenschein.

Eines Tages möchte ich die Elbe von der Havel nach Hamburg befahren. Für die Reise durch die untere Elbe und das Deutsche Watt ist die Antilope jedoch noch nicht zugelassen. Und normalerweise entscheidet man sich auch nicht dafür, die Elbe hinaufzufahren. Das kostet zu viel Kraft und Diesel.

Was wir hier tun ist also nur ein Vorgeschmack und eine Abwechslung zum Geradeausfahren...

Heute unterfahren wir auch die Trogbrücke von Magdeburg, die wir letztes Mal überquert haben. Wieder einmal vermissen wir Meza. Das letzte Mal machte sie einen Spaziergang über die Brücke, um Fotos von uns zu machen. Jetzt ist niemand da zum Spazierengehen oder um ein Foto von oben von uns zu machen wie wir die 10 Elbekilometer hinauf kriechen...

Dennoch hinterlässt die Elbe mit ihrer Kraft und Schönheit einen bleibenden Eindruck bei uns.

Die größte Herausforderung steht noch bevor, nämlich die ziemlich enge Kurve in den Verbindungskanal zum Mittellandkanal und in das Schiffshebewerk hineinzufahren. Für mich ist dies bei der Strömungsgeschwindigkeit eine Übung, die ich bisher nur theoretisch im Unterricht und bei der Prüfung für meinen Binnenschifffahrtschein kenne, und zwar mit Modellschiffen auf eine Hafenkarte auf Papier. Das erzähle ich natürlich erst hinterher. Wir müssen noch einen Kilometer weiter hinauf fahren um umzudrehen, bevor wir in den Kanal mit der Strömung zum Hebewerk gelangen.

Glücklicherweise wurde hier ein Wendeplatz für Binnenfahrtschiffe eingerichtet. Den nutze ich direkt. Ich fahre aus der Innenbiegung heraus und lege den Bug über Steuerbord in die Außenbucht. Der Strom hilft. In Sekundenschnelle drehen wir von der einen in die andere Fahrrichtung. Von 2,8 Knoten auf 6,3 Knoten Geschwindigkeit. Ich bin froh, dass das so funktioniert...

Petra und Gabi lachen.

Vor uns liegt nun der historische Bau eines Schiffshebewerks aus dem Jahr 1938.