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Kanalkilometer 149: Ein lustiger Tag!

20.05.2023

Gestern ging es 25 km ohne Besonderheiten geradeaus. Unser Ziel war es, noch vor Sonntag die Bunkerstation bei Kanalkilometer 149 zu erreichen. In Hannover konnten wir problemlos einen Zwischenstopp zum Einkaufen einlegen. Ein Boxenstopp für Pizza, frische Brötchen und ein wenig Computerarbeit am Freitagnachmittag. Ein paar Jungs stehen auf der Mauer und fischen. Sie sind beeindruckt von unserem Schiff. Entlang des Kanals verläuft ein Fußweg durch das hannoversche Stadtgebiet. Die Leute, die uns entdecken, lächeln und winken.

Der größte Teil der Reise liegt hinter uns. Wir legen Freitag Abend in Hannover Seelze an, wo wir rechtzeitig bunkern können. Bis Minden, unserem nächsten Zwischenstopp und Crew-Wechselpunkt, sind es 30 km.

Aber noch... - noch wir haben noch ein paar Tage und ein paar wenige Kilometer vor uns...

Es ist Samstagmorgen, noch nicht 9:00 Uhr. Wir sitzen im Schlafanzug am Frühstückstisch, als ich bei der Bunkerstation anrufe und frage, wann wir vorbeikommen können. Wir sind keine Berufsfahrt und als wir im Herbst hier vorbei kamen, mussten wir zwei Stunden warten, bis wir an der Reihe waren.

Ich denke, ich melde uns mal an: „Wenn Sie so schnell wie möglich vorbeikommen können, wäre das großartig, denn danach habe ich zwei Schiffe auf der Liste.“ Wir unterbrechen unser Frühstück. Im Schlafanzug zu bunkern ist nicht so bequem. So viel Zeit müssen wir uns lassen... 

Draußen ist es still. Einfach 800 m hin, bunkern und zurück. Nur ein kurzer Ausflug. Wir ziehen auch unsere Schwimmwesten an und legen ab. Ich lasse die Schwerter hinunter. Aber nicht so weit wie sonst. Ist ja nur kurz. Alles geht schnell. 20 Minuten nach meinem Anruf wird unser Wassertank befüllt. Noch Diesel. Der Preis ist in Ordnung. 

Gloria liegt bereits hinter uns und wartet neben einem zweiten Binnenfahrtschiff darauf, dass sie an die Reihe kommt. Wir sind fertig.

Dann wollen wir zurück fahren und noch eine Nacht bleiben. Wir versuchen, einen Platz im angrenzenden Yachthafen zu bekommen, damit wir die Akku's aufladen können. Leider ist die einzige Bucht, in die ich hineinpasse, so eng, dass ich mich wegen des zunehmenden Windes und der teuren Yachten drumherum nicht traue, sie einzunehmen. Ein Hafenlieger ruft, dass wir eventuell am Liegeplatz für die Binnenschifffahrt fragen könnten, ob wir Strom vom Nachbarn bekommen könnten.

Plötzlich nimmt der Wind im Kanal heftig zu. Unter den bewundernden Blicken der Hafenlieger wenden wir in einen schmaler werdenden Wasserweg neben all den Yachten. Der Wind hilft. Das funktioniert prima.

Aber das Anlegen wird schwierig. Der Wind bläst uns vom Ufer weg. Einmal, zweimal. Ich muss nochmal anfahren. Nochmal: einmal, zweimal. Alle Versuche scheitern. Was wir gerade im Jachthaven perfekt zelebriert haben, geht nun furchtbar schief. Das habe ich davon, wenn ich die Schwerter nicht so weit herunter lasse, wie an den anderen Tagen. Bei unserem dritten Anlegemanöver wartet eine Dame mit einem Hund an Land.

Später stellt sich heraus, dass die Dame unser Schiff vom letzten Jahr erkannte, wo wir fast allein im Wald am Mittellandkanal festgemacht hatten. Sie sah, wie wir vor dem Jachthafen umkehrten. Das sei ihr Heimathafen. Sie erkannte das Schiff und sah, dass etwas nicht stimmte.

Zwei Stunden nach dem Frühstück sind wieder wieder fest. Svenja lädt uns ein. Heute Nachmittag gibt es eine Party im Yachthafen mit BBQ. Wir nehmen das Angebot mit Dank an. Der Frühling ist da.

Die Hälfte der gesamten Reise liegt hinter uns.