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Havel-Oder-Wasserstraße

02.10.2022

Wir sind unterwegs auf der Havel-Oder-Wasserstraße. Wie der Name schon sagt, verbindet dieser Kanal die Havel und die Berliner Gewässer mit der Oder, dem Fluss an der östlichen Grenze Deutschlands zu Polen. Die Geschichte dieses Kanals reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Nach heutigem Wirtschaftsverständnis ist diese Wasserstraße erst seit 1934 economisch schiffbar.

Auch wenn hier auf diesen Wasserstraßen schon früher Güter gefahren wurden, waren die Grundsteine der Frachtschifffahrt eigentlich dem Bau der Stadt Berlin gewidmet. Von hier kamen Holz, Dachziegel und Backsteine in die Stadt. Ohne Motor war es wahrscheinlich eine viertägige Reise.

Wir befahren eine sanfte Hügellandschaft. Die Wälder werden dichter. Die ersten Bäume sind schon gelb. Nach dem nassen Wetter gestern kommt heute wieder die Sonne heraus. Einige der Kanalabschnitte sind alt. Über ein paar Kilometer ist ein Kanal rezent erneuert. Es ist ein Fahrwasser, wie die anderen Kanäle, die ich auf dieser Reise gesehen habe.

Mannschaft, die klare Herbstluft und der warme Tee machen den Unterschied.

Ich weiß wirklich nicht, was ich von dieser Wasserstraße erwarten soll. Auf dem Mittellandkanal wusste ich, dass ich an Wolfsburg, Hannover und Magdeburg vorbei fahren würde. Hier fahren wir durch das Barnimer Land, das ich gar nicht kenne. Dieses Stück fühlt sich länger an als erwartet und wir erleben hier wieder erstaunliche Momente.

Die Schleuse in Lehnitz nimmt uns mit, 6 m geht es hoch. Für die Nacht müssen wir uns einen Platz am Kanal suchen. Marinas gibt es sehr wenige, Seen überhaupt nicht. Da der Kanal so hoch in den Hügeln liegt, gibt es neben dieser künstlichen Wasserstraße kaum Dörfer.

Je geringer die Bevölkerungsdichte, desto größer die soziale Wärme unter den Menschen. 

Das können wir hier wieder erleben. Praktisch der einzige Yachthafen auf halber Kanalstrecke hat keinen Platz für uns. Der Hafen ist voller Yachten. Der Kanal ist schmal. Aber da ist ein Frachtkahn mit Namen Carla an Land gestrandet. Der Herr ruft irgendwo im Dorf an, das wir zwischen den dichten Bäumen nicht sehen können. Innerhalb von fünf Minuten ruft er uns zurück. Wir können neben Carla festmachen. Er kommt heute abend noch vorbei.

Als es dunkel ist, leuchtet ein Sturmlicht herein. Ich gehe nach draußen. Der Hafenmeister der Marina war mit seinem Boot irgendwo und will uns einen schönen Abend wünschen. Natürlich können wir morgen früh bei ihm tanken, Diesel und Wasser. Seine Schläuche sind etwas kurz, aber wir lassen uns was einfallen... Und dann bestellen wir warme Brötchen zum Frühstück.

Herrlich. Mitten im Niemandsland sind wir bestens versorgt!

Mit einem netten Hafenmanöver fahren wir am nächtsen Morgen ins Hafenkino ein. Rückwärts einparken in die Achterspring... Ich freue mich immer, wenn klappt, was ich mir ausgedacht habe. Vor allem, wenn ich ein großes Publikum habe ...

Heute befahren wir ein Drittel der Havel-Oder-Wasserstraße und kehren später im Oktober wieder hierher zurück.